29.03.10 00:00 Alter: 10 yrs

MdB Ulrich Lange würdigt Altkanzler Helmuth Kohl

Berlin

Helmut Kohl ist für mich eine faszinierende Persönlichkeit und verkörpert wie kaum ein Zweiter die CDU und ihre Grundüberzeugungen. Die Partei ist seine Heimat. Er ist und war für mich immer der schwarze Riese, der Übervater der CDU. Für mich als langjähriges Mitglied der Union ist der Altkanzler ein Stück meiner eigenen politischen Identität. Ohne ihn wäre die jüngere Geschichte der CDU, aber auch die jüngere Geschichte Deutschlands ganz anders verlaufen. Wir haben allen Grund, ihm für seine außerordentliche politische Lebensleistung dankbar zu sein, als Kanzler der Einheit und großer Europäer.

 

Als Kohl nach dem Bruch der sozial-liberalen Koalition von Bundeskanzler Helmut Schmid im Oktober 1982 im Rahmen des ersten erfolgreichen konstruktiven Misstrauensvotums in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland Kanzler wurde, hatte ich in meinem Schülerdasein gerade die Mittelstufe am Theodor-Heuss-Gymnasium erreicht. Am Tag des Misstrauensvotums lief zu Hause ständig der Fernseher, wie ich es bisher nur aus der RAF-Zeit (Entführung Landshut) kannte. In meiner Familie, einem durchaus politisch und CSU-geprägten Elternhaus, wurde dieser Tag mit Erleichterung begrüßt, die Erwartungen an die neue Regierung waren riesig. Große Freude herrschte in der Familie, als dann im darauffolgenden Jahr bei der Bundestagswahl die CDU/CSU traumhafte 48,8 Prozent erhielt und mit der FDP eine Koalition bilden konnte. Was wir damals noch nicht wussten: Es begann das Zeitalter von Helmut Kohl.

 

Meine frühen Erinnerung an die Politik war immer mit Helmut Kohl, Franz-Josef Strauß und Anton Jaumann verbunden. Diese Männer entzündeten meine Neugier an der Politik, aber nicht immer meine Zustimmung.

 

Im Jahr meines Abiturs ist Strauß gestorben, Kohl war immer noch Kanzler. In der Presse wurde er häufig bespöttelt. Man sagte ihm nach, dass er keinen Fettnapf auslassen würde. Ich habe mich oft gewundert, warum er trotz aller Kritik Kanzler und Parteichef blieb. Heute weiß ich, dass Helmut Kohl oft unterschätzt und noch öfter verkannt worden ist. Künftige Historiker werden die tiefe Bindung an Grundsätze erkennen, die diesen Mann jenseits aller Erwägungen der Machbarkeit und der Opportunität beherrscht hat und immer noch beherrscht.

 

Als Kohl 1991 zum ersten Kanzler des wiedervereinigten Deutschlands gewählt wurde, war ich Jurastudent in Regensburg. Dort erlebte ich ihn live, wie auch Oskar Lafontaine. Ich war zusammen mit meinem besten Schulfreund aus Nördlingen (SPD-Mitglieder!) auf beiden Kundgebungen. 1992 bewegt und fasziniert von der politischen Wende in der DDR und der Vereinigung Deutschlands habe ich in Nördlingen die JU neu gegründet – es herrschte politische Aufbruchstimmung. Zu Recht gilt die Wiedervereinigung unseres Vaterlandes in Frieden und Freiheit als eine Leistung historischen Ausmaßes. Dies wird selbst von Helmut Kohls Konkurrenten und Kritikern freimütig anerkannt. Was mit der deutschen Währungsunion als unumkehrbarem Schritt zur Vereinigung begann, fand seinen krönenden Abschluss im Staatsvertrag über die staatliche Einheit. Als sich die – historisch wohl einmalige– Chance zur Wiedervereinigung ergab, hat Helmut Kohl mit Mut, Durchsetzungskraft und Augenmaß die Zügel in die Hand genommen. Dabei hat er das bewiesen, was einen Staatsmann ausmacht: Instinkt, also politisches Gespür für das unter den gegebenen nationalen und internationalen Rahmenbedingungen Machbare und Mögliche. Dieses politische Gespür beeindruckt mich noch heute, wenn ich in Berlin im Reichstag die Feierstunden z. B. vor kurzem zur Volkskammerwahl vor 20 Jahren miterleben darf, empfinde ich Dankbarkeit, aber auch Motivation für unsere einzigartige Demokratie.

 

In der Phase als JU-Vorsitzender habe ich auch den Untergang der Ära Kohl sehr bewusst miterlebt. Als Nördlinger JU-Ortsvorsitzenden wurde ich zu den Rieser Nachrichten geschickt, um die Wahlniederlage des Schwarzen Riesen zu kommentieren. Es war eine herbe Niederlage, die ich, wenn ich ehrlich bin, als „ politischer Jungspunt“ der ich damals war, hatte kommen sehen. Wir JU´ler drängten schon lange auf eine Erneuerung der politischen Spitze. Leider hatte auch er, wie so viele Politiker den Absprung nicht rechtzeitig geschafft. Heute hoffe ich persönlich, dass ich mich rechtzeitig daran erinnere.

 

Helmut Kohl hat in seinem langen Politikerleben große Erfolge und stolze Siege errungen – das ist ihm zu gönnen. Er hat bittere Niederlagen und menschliche Enttäuschungen einstecken müssen – das bleibt keinem führenden Politiker erspart. Und er hat da und dort Fehler gemacht – wer besser ist, werfe den ersten Stein. Herzlichen Glück, Helmut Kohl!


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